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Singzikaden: geheimnisvolle Sänger

Vom 12. Juni 2021 bis 12. Juni 2022

Wenn Sie an einem heissen Sommertag in Sitten die Rue des Châteaux hinaufgehen, werden Sie das laute Zirpen nicht überhören können. Dieser rhythmische Gesang, welcher der Stadt einen Hauch Mittelmeerfeeling verleiht, ist jener der Mannazikade (Cicada orni). Es ist die bekannteste, aber nicht die einzige Singzikade der Schweiz. Landesweit werden 10 Arten unterschieden, von denen 5 im Wallis vorkommen.

Singen an der Sonne, Entwicklung im Dunkeln

Der Sänger – immer ein Männchen - ist auf seinem Ast hervorragend getarnt. Sein lauter Gesang, mit welchem er ein Weibchen anzulocken versucht, entsteht durch die rhythmische Verformung und Entspannung zweier steifer Plättchen unterhalb des Flügelansatzes. Man nennt sie Trommel- oder Tymbalorgane. Singzikaden sind die lautesten Insekten weltweit!
Das Erwachsenendasein der Zikaden an der Sonne dauert nur wenige Wochen. Zuvor verbringen sie mehrere Jahre als Larven in der Erde und ernähren sich von Pflanzensäften der Wurzeln. Kurz vor der Verwandlung kommen sie aus dem Boden und suchen einen geschützten Ort in der Vegetation. Dann schlüpfen sie aus ihrer letzten Larvenhaut und fliegen ihrem kurzen Erwachsenenleben entgegen.

Cicada orni c Albert Krebs
Cicada orni
© Walliser Kantonsmuseen, Sitten; Albert Krebs

Welche Geheimnisse sind noch zu lüften?

In den 1990er Jahren glaubte man, es gäbe nur 5 Singzikaden-Arten in der Schweiz. Weit gefehlt! Heute unterscheiden die Insektenspezialisten 10 Arten. So hat sich z. B. erst ab 2000 herausgestellt, dass sich hinter dem Begriff Bergzikade nicht eine, sondern 4 verschiedene Arten versteckten! Sie sehen sich so ähnlich, dass sie nur durch ihren Gesang sicher unterschieden werden können. Genetische Analysen haben die Bestimmungen bestätigt.

          Tibicina steveni c Thomas Hertach                  Tibicina quadrisignata c Thomas Hertach
Tibicina steveni
© Walliser Kantonsmuseen, Sitten; Thomas Hertach
 
Tibicina quadrisignata
© Walliser Kantonsmuseen, Sitten; Thomas Hertach


Das Naturmuseum hat sich in den letzten Jahren an einem Forschungsprojekt über zwei weniger bekannte, seltene Zikadenarten beteiligt (Tibicina steveni und T. quadrisignata). Die Biologen haben die Lebensräume untersucht und verglichen und Förderungsmassnahmen vorgeschlagen.